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Die Evolution des Bratspießes
– oder wie der Döner entstand
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Schon die Osmanen liebten es, gut und reichlich zu essen – und das am liebsten in Gesellschaft. So galten sie, dank opulenter Verköstigung und Bewirtung ihrer Gäste, auch weltweit als wohlwollende Gastgeber. 
 
Die bevorzugte Speise bei solchen Zusammenkünften stellte Lamm am Spieß (kuzu çevirme) dar, welches als Ganzes über einem Holzkohlenfeuer gebraten wurde.

 

 

 

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Eine besondere Variante des Lamm am Spieß‘, und im Osmanischen Reich unter Feinschmeckern als wahrer Gaumenschmaus geschätzt, stellte das – heute auch ErzurumKebabı oder Waagerechter Döner genannte – Çağ Kebabı dar.

Hierbei wurde das Fleisch von der Lammkeule in feine Tranchen (Scheiben) geschnitten, auf einen Spieß aufgesteckt und anschließend über dem Holzkohlenfeuer gegrillt.

 

 
Mitte des 19. Jahrhunderts, so heißt es, kam dann ein Koch namens Hamdi Usta in der nordanatolischen Stadt Kastamonu auf die Idee, etwas Neues auszuprobieren und drehte – wortwörtlich – den Spieß um: er begann damit, marinierte Tranchen (Scheiben) des traditionellen Lammbratens drehend an einem vertikal aufgestelltem Spieß zu grillen, und diese dann portionsweise auf dem Markt zu verkaufen. Etwa zeitgleich und unabhängig von ihm, so den Erzählungen nach, hatte, ca. 540 km westlich des Landes in Bursa, auch ein Anderer dieselbe Idee: İskender Efendi, der noch heute als Namensgeber des Döner Kebabs gilt, und dem wir darüber hinaus auch noch eine ganz besondere Variante des Döner Kebabs zu verdanken haben: den İskender Kebab, bei dem dünne Streifen vom Dönerspieß auf kleinen, in Butter angerösteten Fladenbrotwürfeln, übersehen mit einer Tomaten- und Paprikamarksauce und etwas Joghurt, serviert werden. 

Von Bursa aus startete der Döner Kebab dann auch seine Reise in die Welt. Und gilt heute – mehr als 150 Jahre später – als das beliebteste Fast Food Deutschlands.

 

 

 

Wo ist denn die Soße?

„Einmal Döner mit scharfer Soße, bitte.“ Was uns so selbstverständlich erscheint, hat im Grunde nichts mit der traditionellen Döner-Esskultur zu tun. Denn beim Döner Kebab handelt es sich ursprünglich um ein reines Tellergericht, das klassischerweise mit Reis und Gemüsebeilage serviert wird.

 

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Quelle: http://www.haberisvec.com/haber
/4890-ekonomi-ticaret-kebabin-babasi-oldu.html
Dass aus dem Döner ein kulinarischer Hit wurde, ist, laut Recherchen des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID), dem türkischen Gastarbeiter Kadir Nurman (verstorben 2011, Gott habe ihn selig) zu verdanken.Inspiriert von der sich ausbreitenden Fast-Food-Welle über Deutschland packte Nurman im Jahr 1972 kurzerhand die gegrillten Fleischstückchen in den Fladen, und begann sie, in seinem Imbiss am Bahnhof Zoo in Berlin, zum Mitnehmen anzubieten. Was sich in kurzer Zeit großer Beliebtheit erfreute und landesweit viele Nachahmer fand.

 

 

Was den Döner Kebab so besonders macht

Egal ob Sushi oder Pasta – viele Gerichte lassen sich mit den richtigen Zutaten auch zuhause zubereiten. Beim Döner Kebab verhält es sich da anders. Die komplizierte Zubereitung erfordert nicht nur bestes Fleisch, fundierte Marinadenkenntnisse und Handgeschick, sondern auch spezielle Bratvorrichtungen und Kochuntensilien, die in kaum einem normalen Haushalt zu finden sind.

 

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Der klassische Döner Kebab besteht aus Hammel- oder Lammfleischtranchen, die, nachdem sie in einer speziellen Marinade eingelegt wurden, zu einem senkrechten Fleischkegel übereinander gesteckt werden. 

Im Gegensatz zu anderen Spießvarianten rotiert der Dönerspieß aber nicht kontinuierlich vor dem Feuer, sondern wird erst weitergedreht, wenn die zum Feuer gewandte Seite gebraten ist. „Spießfrisch“ kommen die vom Fleischkegel abgeschnittenen dünnen Fleischstreifen dann auf den Teller oder in den Fladen – und sorgen für ein fleischiges Glückserlebnis bei Jung und Alt.